Forschung und Leaving Care
Was zeichnet uns aus?
Wir sind ein Kollektiv aus Careleaver*innen und Menschen ohne Care-Biographie. Wir verstehen uns als parteiliches Projekt. Vor diesem Hintergrund leiten wir Forschungsanfragen nicht pauschal weiter, sondern prüfen diese entlang forschungsethischer und partizipativer Kriterien, wie sie auch von Careleaver*innen-Selbstvertretungen formuliert wurden.
Grundsätzlich gilt für uns: Erfahrungswissen ist Expertise und keine frei verfügbare Ressource. Entsprechend legen wir Wert auf angemessene Rahmenbedingungen, Transparenz und eine respektvolle Zusammenarbeit.
Unsere Postionen
Infos für Forschende
Bitte informiere Dich vorab zu unseren Hinweisen, Impulsen und Anforderungen für Forschende (z.B. Bachelor- und Masterarbeiten).
Forderungen an Forschungsvorhaben
In dem Paper findest Du Forderungen aus Perspektive einer Careleaverin.
Erfahrungsbericht zu einer Forschungskooperation
Bei meiner letzten Forschungskooperation an der ich als Careleaver*in mitgewirkt habe, war von Anfang an klar, welche Rolle und Aufgabe ich im Projekt einnehme. Es wurde seitens der Forschenden offen gelegt, dass bisher wenig Wissen zum Thema Jugendhilfe besteht. Das Anliegen an mich, die Studie auf Diskriminierung und inhaltliche Schwachpunkte zu prüfen, konnte ich deshalb gut annehmen, weil ich wusste, dass ich als Expertin für dieses Thema genau deshalb zu Rate gezogen werde.
Ich habe zu all meinen Arbeitsschritten Rückmeldung bekommen und stand in einem stetigen Austausch über das weitere Verfahren der Umsetzung meiner Zuarbeit.
Ich persönlich lehne die meisten unentgeltlichen Forschungsanfragen ab. Forschung zum Thema Leaving Care, die Auswirkungen der persönlichen Jugendhilfeerfahrungen auf das weitere Leben, bedeutet für mich Forschung zu sozialer Ungleichheit. Sozial benachteiligte Gruppen zu beanspruchen und wahrscheinlich deren Benachteiligung in der eigenen Forschung herauszustellen und mich dann nicht dafür zu vergüten, ist für mich in den meisten Fällen ironisch
und unmoralisch. Zu Beginn meiner letzten Kooperation wurde die Vergütung kommuniziert und zugesichert und entsprach einem angemessenen Umfang meines Arbeitsaufwands.
Mir ist es ein Anliegen meine Perspektive zu teilen, wenn die Umstände sensibel für meineBiografie sind. Es ist für mich keine Voraussetzung als Forschungsinitiative in einer Kooperationsanfrage umfangreiches Wissen über das Jugendhilfesystem und Care-Perspektiven zu haben. Aber es sollte ein Raum geschaffen sein, in dem mein Erleben der Jugendhilfe und die Folgen dessen wertgeschätzt und ernst genommen werden. Mai 2025, C.
Themen
Wir wünschen uns mehr Forschung zu Leaving Care und
- Erinnerung und Biographiearbeit
- Sprache und Dokumentation
- politischer Auftrag, professionelle Halteung und Handeln
- Queerness/Gender und Sexulität in der Jugendhilfe
- Ableismus, Behinderung, BIPoC
- Ungleichheit, Diskriminierung, Mehrfachmarginalisierung
- Selbstorganisation, Peer-Arbeit, Empowerment/Empowersharing
- Essen, Gesundheit
- Elternschaft, Familie und Freund*inneschaften von Careleaver*innen
- Pflegekinder
- Geschwister-/ Familienbeziehungen
Unter Beteiligung und Mitwirkung des Kollektivs wurde u.a. Forschungsarbeiten erstellt:
- Wie tragen Fachkräfte in ihrer täglichen Praxis zur Förderung von Bildungschancen Jugendlicher bei und wie gestalten Sie nachhaltige Übergänge in Bildung und Beruf? (laufend)
- Erlebte Beteiligung von Careleaver*innen in der Inobhutnahme (laufend)
- Wie erleben Careleaver*innen den Übergang zum Hochschulstudium und ihre eigene Handlungswirksamkeit? (laufend)
- Partizipation in der stationären Kinder-und Jugendhilfe & danach (laufend)
- Möglichkeiten und Grenzen des Empowerments von Careleaver*innen durch Powersharing am Beispiel „Careleaver*Kalenderprojekt“ des Careleaver* Kollektiv Leipzig (A. Fuchs, 2025)
- Diskriminierungserfahrungen in der stationären Jugendhilfe. Eine qualitative Studie aus Sicht von Care Receivern, Care Leavern und sozialprofessionellen Fachkräften (Denby/Timm, 2025)
- Transitionen kritisch beleuchten. Wie können Übergänge durch die Soziale Arbeit begleitet werden? Care Leaver:innen zwischen Jugendhilfe und Selbstständigkeit – Herausforderungen (L. Benedix, 2025)
im Übergang und deren Begleitung durch die Soziale Arbeit - Sexuelle Sozialisation im Jugendalter. Wie selbstbestimmt entwickeln Jugendliche in der stationären Jugendhilfe (ihre) Sexualität? (H. Terpstra, 2024)
- Motivlagen von Careleaver*innen für ihr Engagement in Selbstvertretungs-strukturen (Burkhardt/Elsinger/Lange/Pryznosch, 2023)
- Leaving Care – vom Einfluss der Machtasymmetrie in der Arbeitsbeziehung
zwischen Careleaver*in und Sozialarbeiter*in des Allgemeinen Sozialen Dienstes (S. Mozwillo, 2023) - Übergangsmanagement in der Jugendhilfe - Care Leaving in Leipzig
Recherche zum Übergangsmanagement zwischen 2017 und 2021 (T. Satzenhofer, 2021)
Vielen Dank an C., Tanja A.,Tamara und den Careleaver e.V. für Impulse und Erstellung von Material, Texten und Reflexion.